Astroecke|Aktueller Sternhimmel

Der Sternhimmel im Juli

Die Sonne

Am 6. Juli erreicht die Erde mit 152,1 Millionen Kilometer ihre größte Entfernung von der Sonne.

Warum genau dann in unseren Breiten Hochsommer herrscht? Das liegt am sommerlich-steilen Einfallswinkel der Sonnenstrahlen auf die Nordhalbkugel. Auf der Südhalbkugel ist er zur gleichen Zeit flacher: Dort herrscht jetzt Winter.

Der Mond

Am 6. Juli trifft der abnehmende Halbmond (Phase des letzten Viertels) im Sternbild „Walfisch“ ein. Die danach immer dünner werdende Mondsichel verschwindet in der Neumondnacht des 13. vom Firmament. Sie kehrt jedoch bald in den darauffolgenden Tagen an den westlichen Abendhorizont zurück. Sie rundet sich zusehends und erreicht die „Jungfrau“, in der sie am 19. als zunehmender Halbmond (Phase des ersten Viertels) zu sehen ist. Der Mond wandert danach weiter über den Nachthimmel, wo er am 27. im „Schützen“ als Vollmond mit größter Helligkeit erstrahlt.

Am Abend dieses Tages bietet sich jedoch ein merkwürdiger Anblick: Der Mond steigt verdunkelt über den Horizont! Es findet ein sehenswertes Himmelereignis statt: eine totale Mondfinsternis. Unser Erdbegleiter ist dazu bereits um 20.24 Uhr in den Kernschatten der Erde eingetreten, den die Erde durch die Sonnenbeleuchtung in den Weltraum wirft. Um 21.02 Uhr geht der teilweise verfinsterte Mond über dem Horizont auf. Die vollständige Verfinsterung setzt um 21.30 Uhr ein. Dass dabei der Mond nicht komplett vom Himmel verschwindet, sondern in einem seltsamen rötlichen Glühen leuchtet, liegt am Sonnenlicht, das den Rand der Erdatmosphäre streift (ähnlich dem Abendrot) und vom Mond reflektiert wird. Die Mitte der Mondfinsternis herrscht um 22.22 Uhr. Um 23.14 Uhr beginnt der Mond dann aus dem Kernschatten der Erde auszutreten und langsam wieder seine Gestalt als Vollmond einzunehmen. Um 0.19 Uhr verlässt der Mond den Kernschatten. Zwei Beobachtungstipps: Eine Mondfinsternis ist, anders als eine Sonnenfinsternis, ein mehrstündiges Ereignis. Sie können sich zur Beobachtung also Zeit lassen. Und: Anders wie bei einer Sonnenfinsternis benötigen sie keine Schutzbrille, um die Finsternis zu verfolgen; das vom Mond reflektierte Sonnenlicht ist völlig harmlos.

Die Planeten

Der sonnennächste Planet Merkur kann sich im Juli in unseren Breiten schwer  aus dem Glanz der Sonne lösen. Er ist in diesem Monat von Deutschland aus kaum am Abendhimmel zu erkennen.
 
Die Venus, unser Nachbarplanet innerhalb der Erdbahn, zieht als strahlender „Abendstern“ durch den „Löwen“. Als hellstes Nachtobjekt nach dem Mond ist sie dort schon in der einsetzenden Abenddämmerung leicht zu erkennen. Ihre Untergangszeiten verfrühen sich von 23.41 Uhr am 1. Juli auf 22.35 Uhr am 31.

Der Mars, unser Nachbarplanet außerhalb der Erdbahn, hält sich unübersehbar im „Steinbock“ auf. Er bietet in diesem Monat die beste Beobachtungsmöglichkeit des ganzen Jahres: Er erreicht am 27. Juli – am Tag der Mondfinsternis – seine Oppositionsstellung. Bei einer Marsopposition sind Sonne, Erde und Mars entlang einer geraden Linie angeordnet. Diese Stellung ist für die Marsbeobachtung optimal, da zum einen der Planet die ganze Nacht über zu sehen ist – er geht bei Sonnenuntergang auf und bei Sonnenaufgang unter – zum anderen ist auch seine Entfernung zur Erde am geringsten und dadurch sein scheinbarer Durchmesser am Himmel und seine Helligkeit am größten. Genaugenommen gilt dies jedoch nur für eine ideale Marsopposition. Aufgrund ihrer elliptischen Bahnen erreichen Erde und Mars diesmal erst vier Tage später ihre geringste Entfernung (57,6 Millionen Kilometer). Der Mars legt im Juli kräftig an Helligkeit zu und übertrifft darin zum Monatsende sogar Jupiter! Der rote Planet geht am Oppositionstag um 21.44 Uhr auf und um 5.16 Uhr unter. Am Monatsbeginn geht er bereits um 23.28 Uhr auf.

Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems mit elffachem Erddurchmesser, steht in der „Waage“. Als vierthellstes Nachtobjekt nach Mond, Venus, und Mars ist er dort nicht zu verfehlen. Der Gasriese übertrifft mit seiner Leuchtkraft mit Leichtigkeit alle Sterne in dieser Sternregion. Jupiter zieht sich aus der zweiten Nachthälfte zurück. Er versinkt am 1. Juli gegen 2.20 Uhr, am 31. bereits gegen 00.18 Uhr unter den Horizont.

Saturn, der entlegenste mit bloßem Auge sichtbare Planet, hat sich im „Schützen“ eingefunden. Bei einsetzender Dunkelheit ist er im Süden zu erkennen. Der berühmte Ringplanet geht am Monatsersten gegen 5.14 Uhr und am Monatsletzten gegen 3.07 Uhr im Südwesten unter.

Die Fixsterne

Eine der bekanntesten Sternfiguren ist das „Sommerdreieck“. Es setzt sich zusammen aus den hellen Sternen Wega in der „Leier“, Deneb im „Schwan“ und Atair im „Adler“. Sie gehören zu den 20 der hellsten mit bloßem Auge sichtbaren Sterne überhaupt. Über diese drei Sternbilder werden folgende Legenden berichtet:

Auf der Leier spielte und sang Orpheus so schön, dass er sogar den Totengott dazu bewegen konnte, ihm seine verstorbene Frau aus der Unterwelt herauszugeben!

Der „Schwan“ entstand durch den ersten Verkehrsunfall der Antike: Nachdem der junge Phaeton bei einer heimlichen Spritztour mit dem Sonnenwagen seines Vaters, des Sonnengottes Helios, schwer verunglückte, trauerte sein Freund so sehr um ihn, dass er aus Mitleid von den Göttern als Schwan an den Himmel versetzt wurde.

Der Adler wiederum entführte einen Jungen namens Antinous, der fortan den Göttern auf dem Olymp diente.

Im Fernglas leuchtet nahe des „Leier“-Hauptsterns Wega das Vierfachsystem Epsilon Lyrae, also vier sich gegenseitig umkreisende Sonnen.

„Schwan“ und „Adler“ liegen im matten Band der Milchstraße, das das Fernglas in Tausende einzelner Sterne auflöst. Die Milchstraße ist unsere diskusförmige Heimatgalaxis, die wir von der Kante her sehen. Ihr Durchmesser beträgt etwa 100.000 Lichtjahre, ihre Dicke nur 16.000 Lichtjahre. Ihre etwa 200 Milliarden Sterne vollenden in 230 Millionen Jahren eine Umdrehung um das Zentrum der Galaxis, von dem die Sonne rund 27.000 Lichtjahre entfernt ist.

Östlich des Sommerdreiecks liegt das ausgedehnte Sternbild „Schlangenträger“ mit dazugehöriger „Schlange“. Beide sind leuchtschwach, ergeben aber ein lohnendes Puzzle für klare Sommernächte. Über dem Kopf der „Schlange“ liegt der Sternenbogen der „Nördlichen Krone“. Ihr östlicher Nachbar ist „Herkules“. Zwischen den westlichen zwei „Kastensternen“, der Brust des Herkules, ist mit einem Fernglas – an dunklen Orten auch bereits mit bloßem Auge - der bekannte Kugelsternhaufen M13 zu finden. Der vom „Herkules“ als erste seiner zwölf Heldentaten gejagte „Löwe“ versinkt bereits mit den beiden anderen Frühlingssternbildern „Bärenhüter“ und „Jungfrau“ im Westen.

Da die milden Sommernächte immer wieder gerne zur Sternbeobachtung einladen, hier noch einmal, wie die Sternkarte zu benutzen ist. Zunächst ist rasch erklärt, warum auf ihr die Himmelsrichtungen Ost und West vertauscht sind. Um mit ihr den Sternhimmel zu beobachten, wird die Sternkarte mit dem Bild nach unten über den Kopf gehalten und den Himmelsrichtungen entsprechend ausgerichtet. Der Zenit, der Himmelspunkt direkt über dem Kopf, entspricht dem Schnittpunkt der gedachten Nord-Süd- mit der Ost-West-Linie. Zur angegebenen Uhrzeit tummeln sich dort „Drache“ und der antike Hau-drauf-Held „Herkules“.

Der Sternhimmel am 1. gegen 0 Uhr, am 15. gegen 23 Uhr und am 31. gegen 22 Uhr (MESZ). Die Kartenmitte zeigt den Himmel im Zenit. Der Kartenrand entspricht dem Horizont. Norden ist oben, Westen rechts, Süden unten und Osten links. Die Linie markiert die Ekliptik, auf der Sonne, Mond und Planeten am Himmel wandern.