Astroecke|Aktueller Sternhimmel

Der Sternhimmel im Juli

Die Sonne

Am 6. Juli erreicht die Erde mit 152,1 Millionen Kilometer ihre größte Entfernung von der Sonne.

Fragen Sie sich vielleicht, warum genau dann in unseren Breiten Hochsommer herrscht? Das liegt am sommerlich-steilen Einfallswinkel der Sonnenstrahlen auf die Nordhalbkugel. Auf der Südhalbkugel ist er zur gleichen Zeit flacher: Dort herrscht jetzt Winter.

Der Mond

Auch im Juli ist das Verstreichen des Monats leicht an unserem Erdbegleiter abzulesen: In der Nacht zum 2. herrscht Vollmond, der im Sternbild „Schütze“ steht. Eine Woche später hat dieser deutlich an Helligkeit verloren und wandert als abnehmender Halbmond (Phase des letzten  Viertels) durch die „Fische“. Die nun immer schmaler werdende Mondsichel ist schließlich in der Neumondnacht des 16. vom Firmament verschwunden. Sie kehrt jedoch in den darauffolgenden Tagen an den abendlichen Westhorizont zurück. Bis zum 24. hat sie sich wieder zum zunehmenden Halbmond gerundet (Phase des ersten Viertels), der durch die „Jungfrau“ streift. Seine größte Leuchtkraft erreicht der Erdtrabant wieder als Vollmond am 31. im „Steinbock“. Damit herrscht im Juli in einem Monat zweimal Vollmond. Im englischen Sprachraum wird der zweite Vollmond auch als „blue moon“ (blauer Mond) bezeichnet.

Die Planeten

Der sonnennächste Planet Merkur ist in diesem Monat von Deutschland aus nicht zu erspähen.

Die Venus, unser Nachbarplanet im inneren Sonnensystem, strahlt weiter als Abendstern. Sie zieht weiter durch den „Löwen“ in der Nähe dessen Hauptsterns Regulus. Dort bietet sich am Monatsanfang ein spektakulärer Anblick: Die Venus hat sich in den letzten Tagen in dieser Sternregion ein Wettrennen mit Jupiter geliefert und zieht nun am 1. an ihm nahe vorbei. Da Venus und Jupiter mit Abstand die zwei hellsten Nachtobjekte sind – der Mond freilich ausgenommen – ist dieser Anblick nicht zu verfehlen!

Die Venus taucht am 1. um 23.36 Uhr, am 25. um 21.53 Uhr unter den westlichen Horizont.

Der Mars, unser Nachbarplanet im äußeren Sonnensystem, wanderte im letzten Monat hinter die Sonne, kann sich aber in diesem Monat noch nicht aus ihrem Glanz lösen und bleibt unsichtbar.

Jupiter, der größte Planet unseres Sonnensystems mit elffachem Erddurchmesser, streift zusammen mit der Venus zum Monatsanfang in einem spektakulären Kopf-an-Kopf-Rennen durch den „Löwen“ in Richtung Regulus. Jupiter ist nur in der ersten Monatshälfte zu beobachten. Am 1. versinkt er gegen 23.38 Uhr, am 25. bereits gegen 22.13 Uhr hinter dem Horizont.

Saturn zeigt sich in der ersten Nachthälfte und zieht sich fast vollständig aus der zweiten Nachthälfte zurück. Er bleibt Ende Juli in der „Waage“ geradezu stehen und kehrt dann im nächsten Monat seine Bewegungsrichtung am Nachthimmel sogar um. Lange wurde gerätselt, um diese Bewegung, wie auch bei Mars und Jupiter, zu verstehen. Es gelang Nikolaus Kopernikus, sie mit dem heliozentrischen Modell des Sonnensystems einfach zu erklären: Die Richtungsänderung ist ein scheinbarer Effekt, der dadurch entsteht, wenn ein  Beobachter auf einem schnellen Planeten (der Erde) auf einer Innenbahn um die Sonne einen langsamen Planeten (Saturn) überholt, der sich auf einer Außenbahn bewegt.

Saturn ist in der Region um die „Waage“ leicht aufzuspüren: Er ist dort das hellste Nachtobjekt. Saturn geht am 1. um 3.08 Uhr, am 31. um 1.07 Uhr unter.

Die Fixsterne

Eine der bekanntesten Sternfiguren ist das „Sommerdreieck“. Es setzt sich zusammen aus den hellen Sternen Wega in der „Leier“, Deneb im „Schwan“ und Atair im „Adler“. Sie gehören zu den 20 der hellsten mit bloßem Auge sichtbaren Sterne überhaupt. Über diese drei Sternbilder werden folgende Legenden berichtet:

Auf der Leier spielte und sang Orpheus so ausgezeichnet, dass er sogar den Totengott dazu bewegen konnte, ihm seine verstorbene Frau aus der Unterwelt herauszugeben!

Der „Schwan“ entstand durch den ersten Verkehrsunfall der Antike: Nachdem der junge Phaeton bei einer heimlichen Spritztour mit dem Sonnenwagen seines Vaters, des Sonnengottes Helios, schwer verunglückte, trauerte sein Freund so sehr um ihn, dass dieser aus Mitleid von den Göttern als Schwan an den Himmel versetzt wurde.

Der Adler wiederum entführte einen Jungen namens Antinous, der fortan den Göttern auf dem Olymp diente.

Im Fernglas leuchtet nahe des „Leier“-Hauptsterns Wega das Vierfachsystem Epsilon Lyrae, also vier sich gegenseitig umkreisende Sonnen.

„Schwan“ und „Adler“ liegen im matten Band der Milchstraße, das das Fernglas in Tausende einzelner Sterne auflöst. Die Milchstraße ist unsere diskusförmige Heimatgalaxis, die wir von der Kante her sehen. Ihr Durchmesser beträgt etwa 100.000 Lichtjahre, ihre Dicke nur 16.000 Lichtjahre. Ihre etwa 200 Milliarden Sterne vollenden in 250 Millionen Jahren eine Umdrehung um das Zentrum der Galaxis, von dem die Sonne rund 33.000 Lichtjahre entfernt ist.

Östlich des Sommerdreiecks liegt das ausgedehnte Sternbild „Schlangenträger“ und die dazugehörige „Schlange“. Beide sind leuchtschwach, ergeben aber ein lohnendes Puzzle für klare Sommernächte. Über dem Kopf der „Schlange“ liegt der Sternenbogen der „Nördlichen Krone“. Ihr östlicher Nachbar ist der bärenstarke „Herkules“. Zwischen den westlichen zwei „Kastensternen“, der Brust des Herkules, ist mit einem Fernglas – an dunklen Orten auch bereits mit bloßem Auge - der bekannte Kugelsternhaufen M13 zu finden. Der vom „Herkules“ als erste seiner zwölf Heldentaten gejagte „Löwe“ versinkt bereits mit den beiden anderen Frühlingssternbildern „Bärenhüter“ und „Jungfrau“ im Westen.

Da die milden Sommernächte immer wieder gerne zur Sternbeobachtung einladen, hier noch einmal, wie die Sternkarte zu benutzen ist. Zunächst ist rasch erklärt, warum auf ihr die Himmelsrichtungen Ost und West vertauscht sind. Um mit ihr den Sternhimmel zu beobachten, wird die Sternkarte mit dem Bild nach unten über den Kopf gehalten und den Himmelsrichtungen entsprechend ausgerichtet. Der Zenit, der Himmelspunkt direkt über dem Kopf, entspricht dem Schnittpunkt der gedachten Nord-Süd- mit der Ost-West-Linie. Zur angegebenen Uhrzeit tummeln sich dort „Drache“ und der antike Hau-drauf-Held „Herkules“.

Der Sternhimmel, wie er sich am 1. gegen 0 Uhr, am 15. gegen 23 Uhr und am 31. gegen 22 Uhr (MESZ) zeigt. Die Kartenmitte stellt den Himmel im Zenit dar. Der Kartenrand entspricht dem Horizont. Norden ist oben, Westen rechts, Süden unten und Osten links.