Astroecke|Aktueller Sternhimmel

Der Sternhimmel im Mai

Der Mond

Am 4. rundet sich unser Erdbegleiter im Sternbild „Waage“ zum Vollmond. Danach schwindet seine Helligkeit wieder, wie bei seinem monatlichen Lauf in 29,5 Tagen durch sämtliche Mondphasen üblich. Am 11. trifft er als abnehmender Halbmond (Phase des letzten Viertels) im „Wassermann“ ein. Die nun immer schmaler werdende Mondsichel verschwindet schließlich in der Neumondnacht des 18. vom Firmament. Sie kehrt jedoch in den folgenden Tagen rasch an den abendlichen Westhorizont zurück. Am 25. erreicht die zum zunehmenden Halbmond (Phase des ersten Viertels) gewandelte Mondsichel den „Löwen“. Am Monatsende hat er sich wieder fast vollständig zum Vollmond gerundet.

Die Planeten

Der sonnennächste Planet Merkur ist dafür bekannt, dass er schwierig mit bloßem Auge aufzuspüren ist. Die erste Woche des Monats bietet dafür jedoch günstige Beobachtungsbedingungen. Merkur steht in der Abenddämmerung tief im Nordwesten und geht am 1. um 22.41 Uhr, am 9. wenig später um 22.56 Uhr und am 13. letztmals für das bloße Auge sichtbar unter.

Die Venus, der Nachbarplanet der Erde im inneren Sonnensystem, leuchtet als „Abendstern“. Sie wandert im Mai leicht erkennbar vom nördlichen „Stier“ in die “Zwillinge“. Die Venus sinkt am Monatsersten um 0.37 Uhr, am Monatsletzten wenig später um 0.46 Uhr unter den Horizont.

Der Mars, der Nachbarplanet der Erde im äußeren Sonnensystem, bewegt sich hinter die Sonne und ist im Mai nicht zu beobachten.

Der Riesenplanet Jupiter streift durch den „Krebs“. In dieser Sternenregion ist er als hellstes Nachtobjekt nach dem Mond und der Venus sehr einfach aufzuspüren, überstrahlt er damit doch auch sämtliche Sterne am Nachthimmel. Der gigantische Gasplanet mit elffachem Erddurchmesser verabschiedet sich in der zweiten Nachthälfte vom Firmament, am 1. um 3.23 Uhr, am 31. bereits um 1.32 Uhr.

Der Saturn durchwandert fast doppelt so weit von der Erde entfernt wie der Jupiter, in etwa 1,3 Milliarden km Entfernung, am Sternhimmel das Gebiet der „Waage“. Der mit neun Erddurchmessern zweitgrößte Planet im Sonnensystem ist leicht zu erkennen, da er in dieser Region das hellste Nachtobjekt darstellt.
Der entfernteste mit bloßem Auge sichtbare Planet erreicht am Abend des 23. seine Oppositionsstellung und bietet damit seine beste Beobachtungsmöglichkeit im ganzen Jahr! Bei einer Saturnopposition sind Sonne, Erde und Saturn entlang einer geraden Linie angeordnet. Diese Stellung ist für seine Beobachtung optimal, da zum einen der Planet die ganze Nacht über zu sehen ist - er geht bei Sonnenuntergang auf und bei Sonnenaufgang unter - zum anderen ist auch seine Entfernung zur Erde am geringsten und dadurch sein scheinbarer Durchmesser und seine Helligkeit am größten.

Schon in einem kleinen Teleskop ist sein einzigartiges, in Wirklichkeit aus Hunderten Einzelringen zusammengesetztes Ringsystem zu sehen. Es zeigt sich uns im Mai um 24° zugeneigt.

Der Saturn geht am 1. gegen 22.19 Uhr im Südosten auf, am Oppositionstag bereits gegen 20.45 Uhr. Am selben Tag versinkt Saturn gegen 5.49 Uhr unter.

Die Fixsterne

Die berühmteste Figur am Frühlingsnachthimmel setzt sich aus den hellsten Sternen dreier Sternbilder zusammen: das Frühlingsdreieck. Es wird gebildet durch die Sterne Arktur im „Bärenhüter“, Spica in der „Jungfrau“ und Regulus im „Löwen“. Sie rangieren unter den 15 hellsten Sternen, die in Deutschland überhaupt beobachtet werden können. Der orangefarbene Arktur sitzt gewissermaßen am spitzen Ende des Sternbilds „Bärenhüter“, das einer Papierdrachenform ähnelt. Spica und Regulus liegen in der Nähe der Ekliptik, der auf der Sternkarte eingezeichneten Linie, auf welcher sich die Sonne und alle Planeten am Firmament bewegen.

Weiter östlich der „Jungfrau“ finden wir neben der „Waage“ die großflächigen Sternbilder „Schlangenträger“ und „Schlange“. Diese beiden Sternbilder zusammenzusuchen kommt einem Puzzle gleich, da sie aus eher lichtschwachen Sternen bestehen.

Nördlich davon steht „Herkules“, der antike Arnold Schwarzenegger. Mindestens drei seiner sagenhaften zwölf Heldentaten sind auf der Sternkarte verewigt: Er erwürgte nicht nur den unverwundbaren „Löwen“, sondern er erschlug auch den „Drachen“ und tötete die neunköpfige „Wasserschlange“, wobei er den verräterischen „Krebs“ zertrat, welcher der Wasserschlange zu Hilfe kam. An der westlichen Seite des „Sternen“-Brustkastens des Hau-drauf-Helden ist mit dem Fernglas ein uraltes Objekt zu beobachten: der Kugelsternhaufen M13, der sich aus Hunderttausenden Sternen zusammensetzt. Das Licht, das wir von ihm jetzt sehen, wurde vor 23.000 Jahren ausgeschickt — lange bevor die Geschichte des Herkules von den Menschen zu erzählen begonnen wurde.

Fernglasastronomen finden westlich des Frühlingsdreiecks im „Krebs“ ein ebenso interessantes Objekt: den offenen Sternhaufen Praesepe (M44). Bei klaren Nächten fernab jeder Lichtquelle, heutzutage oft nur noch in den Bergen oder in südlichen Ländern möglich, ist er sogar mit dem bloßem Auge zu erkennen. Er ist eine Ansammlung von etwa 500 Sternen in 515 Lichtjahren Entfernung — eine Distanz für die ein 300 km/h schneller Sportwagen knapp zwei Milliarden Jahre bräuchte!

Der Sternhimmel, wie er sich am 1. gegen 0 Uhr, am 15. gegen 23 Uhr und am 31. gegen 22 Uhr (MESZ) zeigt. Die Kartenmitte stellt den Himmel im Zenit dar. Der Kartenrand entspricht dem Horizont. Norden ist oben, Westen rechts, Süden unten und Osten links.