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30.09.2020
Von: Thomas Vesper

 

Mars-Opposition ermöglicht Mars-Missionen

Im Oktober zum Roten Planeten


BILD 1: Mars, unser roter Nachbarplanet, aufgenommen kurz vor der Mars-Opposition 2018 vom Hubble Weltraumteleskop. Bild: NASA, ESA und STScI

BILD 2: Im Planetarium betrachtet ein Mars-Astronaut den Sonnenuntergang auf dem Roten Planeten. Grafik: Robin Sip, Mirage3D

BILD 3: Zwar ist die Landung von Menschen auf dem Mars noch Science Fiction, doch vermutlich sind die ersten Marsonauten bereits geboren. (Bild: Sebastian Ruchti, Planetarium Laupheim)

Am 14. Oktober kommt uns Mars so nahe wie lange nicht und ist damit nicht nur ein lohnendes Beobachtungsobjekt am Nachthimmel, sondern auch das Ziel dreier Raumfahrtmissionen, die im Sommer zu unserem Nachbarplaneten gestartet sind. Im Planetarium steht daher im Oktober die SciFi-Doku „MARS Eintausendeins“ auf dem Spielplan, bei der die Besucher die fiktive erste Landung von Menschen auf dem Mars quasi live miterleben können und dabei auf unterhaltsame Weise allerhand wissenswertes über den Roten Planeten und die Herausforderungen bemannter interplanetarer Raumfahrt erfahren.

Doch was ist eigentlich ein Mars-Opposition? Sonne, Erde und Mars befinden sich dabei in dieser Reihenfolge auf einer Linie. Eine Mars-Opposition kommt nur rund alle zwei Jahre zustande, da die Umlaufzeit des Mars um die Sonne etwa doppelt so lang ist wie die der Erde. Da die Bahnen der Planeten keine Kreise, sondern mehr oder weniger ausgeprägte Ellipsen sind, ist das Datum der Opposition allerdings nicht gleichzeitig das Datum, an dem Mars der Erde am nächsten ist. Dies ist schon am 06. Oktober der Fall. Außerdem haben Erde und Mars nicht bei jeder Opposition die gleiche Entfernung. Es hängt auch davon ab, ob der Mars sich während der Opposition in der Nähe des sonnennächsten Punktes seiner Bahn, dem Perihel, oder in der Nähe des sonnenfernsten Punktes seiner Bahn, dem Aphel, befindet.

Die Oppositionsstellung ist auch für die Raumfahrt interessant, da Flüge zum Mars bei Start kurz vor der Opposition am kürzesten sind. So waren für 2020 vier Starts von Sonden zum Mars geplant nämlich „al-Amal“ (Vereinigte Arabische Emirate, Start 19. Juli), „Tianwen-1“ (China, Start 23. Juli), „Mars 2020“ (USA, Start 30. Juli) sowie „Rosalind Franklin“ (Deutschland und Russland). Das deutsch-russische Projekt wurde wegen technischer Probleme verschoben.
Warum aber ist der Mars so interessant für uns? Zum einen wissen wir noch nicht alles, was mit den bisherigen Marsmissionen erforscht werden sollte, denn weniger als die Hälfte dieser Missionen war erfolgreich. Das liegt an der schwierigen Landung auf dem Mars. Die Marsatmosphäre hat nur etwa 1% der Dichte der Erdatmosphäre. Entsprechend wenig Bremswirkung kann also auf diesem Weg erzielt werden. Außerdem ist die Entfernung Erde-Sonde bei der Landung so groß, dass Funksignale zu lange unterwegs wären, um die Sonde in Echtzeit zu steuern. Die Sonde muss also die Landung komplett autonom durchführen. Nicht umsonst nennen Ingenieure die Landung auf dem Mars „Die sieben Minuten des Terrors“. Merkur und Venus sind wegen der Verhältnisse auf ihren Oberflächen keine lohnenden Ziele, somit ist Mars der einzig in Frage kommende Kandidat, um nach Leben zu suchen. Denn man weiß aus den bisherigen Missionen, dass es auf dem Mars Wasser gibt und früher viel mehr gegeben hat.
Die Suche nach (früherem) Leben ist also der Antrieb, um den Mars so gründlich zu erforschen. Neben weiteren Sonden plant man aber auch, Menschen auf den Mars zu schicken. Man hofft, diese Mission in den dreißiger Jahren durchführen zu können.

Wie eine solche Reise aussehen könnte, wird im Laupheimer Sternentheater im Programm „MARS 1001“ im Oktober zu sehen sein. Anders als die meisten Programme im Laupheimer Planetarium ist das neue Angebot keine Eigenproduktion, sondern von der niederländischen Firma Mirage 3D. Unter der Regie von Robin Sip entstanden die Studioaufnahmen für die Full-Dome-Doku in den Niederlanden und wurden mit Computeranimationen realer Aufnahmen kombiniert. Neben den Schauspielern, welche die Astronauten darstellen, spielen NASA-Ingenieur Rob Landis, der US-amerikanische Wissenschaftsjournalist Miles O'Brien und Rick Armstrong, Sohn des Mondastronauten Neil Armstrong, sich selbst.
Die Vielzahl bereits gewonnener Erkenntnisse und Aufnahmen halfen dabei, die fiktive Marsreise überzeugend lebensecht zu inszenieren. "Durch das Programm ergänzen wir unser Angebot durch ein sehr unterhaltsames, gleichzeitig fachlich fundiertes und am Puls der Forschung liegendes Element", sagt Sebastian Ruchti vom Laupheimer Planetarium. Ein bemannter Flug zum roten Planeten sei heute denkbar, bliebe jedoch ein Abenteuer, das an die Grenzen von Mensch und Technik führt, so Ruchti. „MARS 1001“ ermöglicht den Planetariumsbesuchern, die 1000 Tage dauernde bemannte Marsmission quasi live mitzuerleben.

INFO: Flüge zum Mars im Planetarium finden laut Spielplan statt. Dieser ist im Internet unter 'www.planetarium-laupheim.de' abrufbar. Die Online-Reservierung von Karten unter Angabe aller Kontaktdaten ist derzeit zwingend erforderlich. Zur Buchung von Gruppenvorführungen und für weitere Fragen ist das Info-Telefon unter 07392-91059 montags und mittwochs von 9 bis 11 Uhr, dienstags, mittwochs, freitags und samstags von 19 - 20.30 Uhr und am Wochenende und an Feiertagen von 11-13 Uhr erreichbar. Alle Vorführungen starten mit einem aktuellen Sternhimmel-Vorprogramm und sind werbungsfrei.