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10.11.2017
Von: Thomas Freidank

 

Laupheimer Sternenshow weltweit zu sehen

Siegeszug der Dunklen Materie

Im Herbst 2014 hatte das Programm "Geheimnis Dunkle Materie" im Planetarium Laupheim Premiere, wo es von einem ehrenamtlichen Team produziert worden war. Seither ist es zum weltweiten Erfolg geworden, mit Spielorten wie Berlin, Hongkong oder Südafrika. Im November steht die "Sternenshow" in Laupheim ausnahmsweise auf Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch und Indisches Englisch auf dem Spielplan.


Die beim Planetarium Laupheim registrierten Nutzer (Grafik) der Sternenshow "Geheimnis Dunkle Materie" stellen nur einen kleinen Teil der weltweiten Verbreitung dar. Grafik: Peter Stöferle / Michael Bischof, Planetarium Laupheim

Kugelbildaufnahmen aus dem Teilchenbeschleuniger des CERN in Genf wurden eigens für die Planetariumsshow angefertigt. Foto: Steven Rohrhirsch / Michael Bischof, Planetarium Laupheim

Geheimnisvolle Dunkle Materie - um die Suche nach den Bausteinen des Kosmos geht es in der weltweit erfolgreichen Produktion des Laupheimer Planetariums. Fotomontage: Christian Stehle, Planetarium Laupheim

Programmautor Professor Rafael Lang forscht selbst in den USA über Dunkle Materie. Foto: Christian Stehle, Planetarium Laupheim

Ein Grund des Erfolgs ist, neben dem hochaktuellen Wissenschaftsthema "Dunkle Materie" und der anschaulichen, allgemeinverständlichen Umsetzung, dass die Produktion kostenlos verfügbar ist und frei weitergegeben werden kann. Nach einer Registrierung im Internet unter "http://shows.planetarium-laupheim.de/" können die Daten für die 38-minütige Show im Umfang von 250 Gigabyte heruntergeladen werden. Das Material müsse man dann noch leicht an die jeweilige Technik vor Ort anpassen, sagt Michael Bischof, der Produktionsleiter des Laupheimer Planetariums.
Die Internetseite wurde im Sommer 2015 aufgesetzt, um zunächst die deutsche Version anzubieten. Ende 2015 kam in Kooperation mit dem Planetarium in St. Louis die englische Version hinzu und damit unter dem Titel "The Dark Matter Mystery" der Startschuss für die weltweite Verbreitung. Das Planetarium in Luzern steuerte die französische, das Planetarium Südtirol die italienische Sprachversion bei. Mittlerweile sind auch Chinesisch, Hindi, Indisches-Englisch, Japanisch, Portugiesisch, Rumänisch, Telugu und Tschechisch verfügbar.
Rund 180 weltweite Nutzer haben sich in Laupheim registriert. Das ist vermutlich nur ein kleiner Teil: "Durch die freie 'Creative Commons' Lizenz haben wir die Kontrolle über die Verbreitung verloren", so Bischof. Sogar Institutionen wie die europäische Südsternwarte ESO oder Ausrüster für Planetarien, wie Zeiss, haben das Programm in ihr Portfolio aufgenommen. Noch viel weniger als eine Gesamtübersicht der Spielstätten lässt sich demnach die globale Besucherzahl angeben. Dennoch ist sich Bischof sicher, dass das Programm alles andere als ein Nischendasein führt. "Erst kürzlich wurde es im Großplanetarium von Hongkong anlässlich eines Wissenschaftstags den ganzen Tag über vorgeführt", erzählt Bischof, der übers Internet immer wieder den weltweiten Aufführungen nachstöbert.
Dunkle Materie ist geheimnisvoll: Wir wissen, sie ist da, doch wir wissen nicht, woraus sie besteht. Die Sternenshow schaut Wissenschaftlern über die Schulter, die an der Entschlüsselung des Naturrätsels arbeiten. Dafür wurden mit mehreren Spezialkameras 360-Grad-Filmaufnahmen in Forschungseinrichtungen wie dem großen Teilchenbeschleuniger bei Genf sowie einem unterirdischen Labor in den italienischen Abruzzen angefertigt.
Finanziert wurde die aufwändige Produktion durch Zuschüsse der US-amerikanischen "National Science Foundation" mit 24000 US-Dollar und der Purdue Universität in Indiana, USA, mit 5000 US-Dollar. Weshalb amerikanische Institutionen eine Laupheimer Produktion unterstützten, ist eine ebenso ungewöhnliche Geschichte, wie deren späterer Siegeszug. Die Schlüsselfigur dabei ist Programmautor Professor Rafael Lang, der an der Purdue Universität das Phänomen der Dunklen Materie erforscht und dadurch einen Einblick in die aktuellste Wissenschaft einbringen konnte. Unter der Voraussetzung, dass das Ergebnis für Bildungszwecke frei zur Verfügung steht, konnte Lang die Fördergelder erwirken. Dass ausgerechnet das Laupheimer Planetarium für die Umsetzung ausgewählt wurde, ist ein spätes Ergebnis von dessen Nachwuchsarbeit: Professor Lang ist in Oberschwaben aufgewachsen, seit seiner Jugend Mitglied der Volkssternwarte Laupheim und hat dann sein Hobby zum Beruf gemacht.
Zur "Feier" des weltweiten Erfolgs bietet das Laupheimer Planetarium im November Zusatztermine für "Geheimnis Dunkle Materie" in verschiedenen Sprachversionen an. Der ergänzende 15-minütige Überblick über den aktuellen Sternhimmel ist jeweils auf Deutsch.
Einen Vorteil haben übrigens Besucher in Laupheim gegenüber dem weltweiten Publikum: Der beeindruckende Sternhimmel wird hier über den unübertroffenen Zeiss-Sternenprojektor erzeugt. "Da viele Planetarien einen solchen Projektor gar nicht haben, mussten wir die Sterne für die weltweite Distribution ins Videomaterial einbauen", erklärt Michael Bischof.

INFO: Der "internationale" Dunkle Materie Tag im Laupheimer Planetarium ist am 18. November mit Vorführungen auf Deutsch um 14.30 und 19 Uhr, Englisch 16 Uhr, Italienisch 17.30 Uhr, Französisch 20.15 Uhr und Indisches Englisch 21.30 Uhr. Die deutsche Version ist zudem am 15.11., 17.11., 22.11., 24.11. und 25.11. jeweils um 20.15 Uhr zu sehen. Weitere Termine und Sternenshows im Internet unter "www.planetarium-laupheim.de" und nach Vereinbarung. Karten können im Internet und unter der Nummer 07392/91059 telefonisch vorbestellt werden.