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07.06.2021
Von: Martin Herter

 

Donnerstag, 10 Juni

Partielle Sonnenfinsternis über Oberschwaben

Laupheim - vstw.mh - Nach sechs Jahren ist es wieder soweit, auch in Süddeutschland ist am Donnerstag um die Mittagszeit wieder eine partielle, also teilweise Sonnenfinsternis zu sehen. Sie ist allerdings diesmal nicht besonders spektakulär, es werden in Oberschwaben im Maximum nur gut sieben Prozent der Sonnenscheibe durch den Mond verdeckt. Dennoch lohnt sich die Beobachtung. Gegen 11.30 Uhr „berührt“ der Neumond zum ersten Mal die Sonnenscheibe an ihrem oberen, also nördlichen Rand, gegen 12.26 Uhr ist dann im Ulmer Raum die maximale Phase erreicht mit einer Bedeckung von ungefähr 7,5 Prozent. Gegen 13.20 Uhr ist die Sonnenfinsternis dann vorbei und die Sonne strahlt wieder in ihrer vollen Pracht.


BILD 1: Foto der partiellen Sonnenfinsternis 2015. Foto: Manfred Konrad, Volkssternwarte Laupheim e.V.

BILD 2: So entsteht eine SOnnenfinsternis. Grafik: Vereinigung der Sternfreunde (VdS)

BILD 3: Die partielle Sonnenfinsternis vom 10. Juni über Deutschland. Grafik: Vereinigung der Sternfreunde (VdS)

BILD 4: Globaler Verlauf der ringförmigen Sonnenfinsternis am 10. Juni 2021. Grafik: Vereinigung der Sternfreunde (VdS)

Für die Beobachtung in der Mittagspause benötigt man weder ein Fernglas noch ein Teleskop. Es ist dabei sehr wichtig, nicht mit ungeschütztem Auge in die Sonne zu schauen, sondern nur mit einer zertifizierten Sonnenfinsternis-Brille. Ansonsten riskiert man schwere bleibende Augenschäden.
Gleiches gilt natürlich erst recht bei der Beobachtung mit Fernrohren oder Ferngläsern. Hier muss durch einen stabil angebrachten, zugelassenen Sonnenschutz-Objektivfilter beobachtet werden, der mehr als 99,9 Prozent des Sonnenlichtes abblockt. Andere angebliche Hilfsmittel zur Abdunkelung, von denen manchmal zu lesen ist, dürfen generell nicht verwendet werden.

Sollte das Wetter bei Ihnen nicht mitspielen, streamen die Gesellschaft Deutschsprachiger Planetarien (GDP) und die Vereinigung der Sternfreunde (VdS) das Ereignis ab 11:15 Uhr mit Bildern aus 17 beteiligten Planetarien, Sternwarten und Science Centern live auf dem Youtube-Kanal der Stiftung Planetarium Berlin (https://www.youtube.com/watch?v=NIQLVzygwt0 ). Die Vereinigung der Sternfreunde zeigt aktuelle Fotos der Finsternis auf Twitter und Facebook unter dem Hashtag #sofi2021. Neben kommentierten Livebildern der Sonne aus verschiedenen Regionen Deutschlands und der Schweiz erwartet die Zuschauer Wissenswertes, Bilder und Animationen rund um die Sonnenfinsternis, virtuelle Flüge zur Sonne und Tipps und Tricks zur sicheren Sonnenbeobachtung.  Außerdem wird es interaktiv: Experten von Hochschulen und Instituten in Berlin, Freiburg, Göttingen und Potsdam antworten live auf Fragen der Zuschauer, die per Chat gestellt werden können.

Doch wie kommt es zu einer Sonnenfinsternis und wieso ist sie an einem bestimmten Ort relativ selten?
Bei einer Sonnenfinsternis steht der Mond als Neumond genau zwischen der Erde und der Sonne. Die Sonne wird dann also durch den Mond abgedeckt und sein Schatten fällt nur auf einen kleinen Bereich der Erde. Je nach Standort auf der Erde kann man dann in einem schmalen, höchstens einige hundert Kilometer breiten Streifen, der über die Erde wandert, eine totale oder ringförmige Sonnenfinsternis beobachten. Befindet man sich außerhalb dieses schmalen Streifens, kann man, je nach Entfernung von diesem Bereich, entweder eine teilweise Sonnenfinsternis oder bei noch weiterer Entfernung auch gar nichts beobachten.
Wenn die Mondbahnebene um die Erde nicht gegen die Erdbahnebene um die Sonne, die sogenannte Ekliptik, geneigt wäre, käme es bei jedem Neumond zu einer Sonnenfinsternis. Die Mondbahn ist aber ungefähr 5 Grad gegen die Ekliptik geneigt. Deswegen steht der Mond bei Neumond von der Erde aus betrachtet meistens oberhalb oder unterhalb der Sonne und es gibt dann keine Sonnenfinsternis.

Bei der aktuellen Sonnenfinsternis handelt es sich um eine ringförmige Sonnenfinsternis, die in einem recht schmalen Streifen von Kanada, Grönland und Nordost-Russland als ringförmig beobachtet werden kann.
Was unterscheidet eine totale von einer ringförmigen Sonnenfinsternis?
Mond und Sonne erscheinen von der Erde aus beobachtet annähernd gleich groß. Der Mondabstand zur Erde schwankt aber innerhalb eines Mond-Umlaufes um die Erde relativ stark, die Bahn des Mondes ist elliptisch. Die gemittelte größte Erdnähe beträgt dabei ungefähr 363.000 Kilometer, die größte Entfernung ungefähr 405.000 km.
Je nachdem, wie weit der Mond bei einer Sonnenfinsternis von der Erde entfernt ist, kann er entweder in Erdnähe die gesamte Sonnenscheibe abdecken, oder, wenn er weit von der Erde entfernt ist, nur noch einen großen Teil der Sonne. Dann bleibt der ringförmige Rand der Sonne noch sichtbar.
Am 10. Juni ist der Mond ungefähr 404.000 Kilometer, also sehr weit entfernt und es kommt damit zu einer ringförmigen Sonnenfinsternis, diesmal zu beobachten in einem schmalen Streifen weit nördlich auf dem Erdglobus.

Wann gibt es wieder richtig spektakuläre, also totale oder ringförmige Sonnenfinsternisse in Europa?  Am 12. August 2026 gibt es in den Abendstunden eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten in Nordspanien. Die Dauer der totalen Bedeckung ist aber mit weniger als 2 Minuten recht kurz und die Sonne steht sehr tief am Himmel. Eine weitere, diesmal gut zu beobachtende Sonnenfinsternis ereignet sich am 2. August 2027 mit einer Dauer von gut vier Minuten im äußersten Süden von Spanien und in Gibraltar.

Wer von Deutschland aus eine totale Sonnenfinsternis beobachten will, sollte heute noch recht jung sein und einen gesunden Lebenswandel haben. Die nächste totale Sonnenfinsternis ereignet sich hier tief im Süden des Landes nämlich erst am Morgen des 3. Septembers des Jahres 2081!

INFO: Partielle Sonnenfinsternis am Donnerstag, den 10. Juni ab 11.22 Uhr Mit SOFI-Brille beobachtbar. Alternativ und ergänzend per Live-Stream der Gesellschaft deutschsprachiger Planetarien (GDP) erreichbar auch via www.planetarium-laupheim.de/live bzw. im Youtube-Kanal der Stiftung Planetarium Berlin unter youtube.com/StiftungPlanetariumBerlin/ . Dort ist der Videobeitrag auch nach dem Ende des Livestreams abrufbar.



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