Der Sternhimmel im Mai

 

Die Sonne

 

Die Auf- und Untergangszeiten der Sonne, angegeben in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) – wie alle Zeiten in diesem Artikel:

01.05. 5.57 Uhr, 20.39 Uhr
10.05. 5.42 Uhr, 20.52 Uhr
20.05. 5.28 Uhr, 21.06 Uhr
31.05. 5.17 Uhr, 21.19 Uhr

 

Der Mond

 

Am 1. Mai strahlt der Vollmond im Sternbild „Jungfrau“. Zum 7. wandert er als abnehmender Halbmond (Phase des letzten Viertels) durch den „Steinbock“. Die nun immer schmaler werdende Mondsichel verschwindet in der Neumondnacht des 16. vom Firmament, um wenige Tage später an den westlichen Abendhimmel zurückzukehren. Dabei hat die Krümmung der Sichel die Seite gewechselt. Bis zum 23. wächst sie zum zunehmenden Halbmond (Phase des ersten Viertels) an, der durch den „Löwen“ streift. Am 31. Mai leuchtet wieder der Vollmond, das zweite Mal in diesem Monat, im „Skorpion“.

Am 4. Mai trifft sich der abnehmende Mond gegen Mitternacht mit Antares, dem orangefarbenen Hauptstern des „Skorpions“. Am Abend des 18. steht die zunehmende Mondsichel beim Planeten Venus und am Abend des 20. beim Planeten Jupiter.

 

Die Planeten

 

Der sonnennächste Planet Merkur bleibt im Mai unsichtbar.

Die Venus, unser Nachbarplanet innerhalb der Erdbahn, strahlt als Abendstern auffällig hell. Zunächst ist sie im „Stier“ zu sehen, ab dem 19. Mai in den „Zwillingen“. Sie taucht am 1. um 23.15 Uhr unter den Horizont, am 31. um 0.06 Uhr.

Mars, unser Nachbarplanet außerhalb der Erdbahn, ist, wie Merkur, in diesem Monat nicht zu sehen.

Jupiter, mit elf Erddurchmessern der größte Planet im Sonnensystem, zieht sich langsam aus der zweiten Nachthälfte zurück. Der intensiv leuchtende Himmelskörper ist in den „Zwillingen“ nicht zu verfehlen. In seiner Helligkeit wird er am Nachthimmel nur von Mond und Venus übertroffen. Die vier größten seiner insgesamt 95 Monde sind leicht im Fernglas zu beobachten. Jupiter geht am Monatsersten um 2.09 Uhr unter, am Monatsletzten schon um 0.24 Uhr. Aufgrund der immer später einsetzenden Abenddämmerung ist er davor nur etwa zwei Stunden lang zu sehen.

Saturn, der entfernteste mit bloßem Auge sichtbare Planet unseres Sonnensystems, kehrt im letzten Maidrittel auf seiner Reise um die Sonne an das Firmament zurück. Bei guter Sicht ist sein Aufgang am Osthorizont am 20. um 3.59 Uhr zu verfolgen, der sich bis zum 31. auf 3.18 Uhr verfrüht.

 

Die Fixsterne

 

Am Nachthimmel setzt sich aus den hellsten Sternen dreier Sternbilder eine leicht zu erkennende Figur zusammen: das Frühlingsdreieck. Die Sterne sind Arktur im „Bärenhüter“ (auch „Bootes“, sprich „Bo-otes“, genannt), Spica in der „Jungfrau“ und Regulus im „Löwen“. Sie gehören zu den 15 hellsten Sternen, die in Deutschland zu sehen sind. Der orangefarbene Arktur sitzt am spitzen Ende des Sternbilds „Bärenhüter“, das an einen Papierdrachen erinnert. Spica und Regulus liegen nahe der Ekliptik, der auf der Sternkarte eingezeichneten Himmelsbahn, auf welcher sich die Sonne und alle Planeten über das Firmament bewegen.

Östlich der „Jungfrau“ liegen neben der „Waage“ die ausgedehnten Sternbilder „Schlangenträger“ und „Schlange“. Diese beiden zusammenzusuchen gleicht einem Puzzlespiel, da sie aus meist lichtschwachen Sternen bestehen. Die „Schlange“ ist das einzige zweigeteilte Sternbild am Nachthimmel. Es befindet sich links und rechts vom „Schlangenträger“.

Nördlich davon steht „Herkules“, der antike Arnold Schwarzenegger. Mindestens drei seiner zwölf legendären Heldentaten sind am Sternhimmel verewigt: Er erwürgte den unverwundbaren „Löwen“, erschlug den „Drachen“ und tötete die neunköpfige „Wasserschlange“. Dabei zertrampelte er den frechen „Krebs“, welcher der Wasserschlange zu Hilfe kam. An der westlichen Seite der „Sternen“-Brust des mythischen Kraftprotzes ist mit dem Fernglas ein uraltes Objekt zu beobachten, dessen Alter auf 10 Milliarden Jahre bestimmt wurde: der Kugelsternhaufen M13, der aus Hunderttausenden von Sternen besteht. Sein Licht, das wir heute sehen, wurde vor 25.000 Jahren ausgesandt – lange bevor die Menschen begannen, die Geschichte des Herkules zu erzählen.

Fernglas-Astronomen finden westlich des Frühlingsdreiecks im „Krebs“ ein weiteres lohnendes Beobachtungsobjekt: den offenen Sternhaufen Praesepe (M44). In klaren Nächten fernab jeglicher Lichtquellen, wie beispielsweise in den Bergen oder in südlichen Ländern, ist er sogar mit bloßem Auge zu erkennen. Es handelt sich um eine Ansammlung von rund 350 Sternen in einer Entfernung von 580 Lichtjahren – eine Strecke, für die ein 300 km/h schneller Sportwagen etwa zwei Milliarden Jahre bräuchte!